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Aus dem Ball-Tagebuch

Hier haben wir exklusiv einen Bericht von einem unserer Mitarbeiter, der beim Opernball 2000 dabei war!


Am Mittwoch war die Generalprobe für den Opernball angesetzt. Leider mußte ich dafür früher gehen wobei ich eigentlich mir keine einzige Fehlstunde im Physikalisch-Chemischen Labor leisten durfte. Die Ballprobe war anstrengend. Es gab sogar Karten zu kaufen für dieses Ereignis. 200 ATS (=15 €) die billigsten oben im dritten Rang ganz hinten. Letztklassig. Da sieht man von der Hälfte des Saales überhaupt nichts. Und trotzdem war die Oper ausverkauft bis auf den letzten Platz. Es sind dies eigens sogar 2 Busse aus Deutschland gekommen, was ich besonders extrem finde. Jetzt verstehe ich wenigstens, wo sie die 10 Millionen Gewinn herhaben. Mit so Aktionen wie dieser. Die Probe war schon genauso wie es am Ball sein sollte.

Mit dem Ballett der Wiener Staatsoper und dem Kinderballett sowie der Sängerin Nancy Gustaffson. Doch ein "Somewhere over the Rainbow" kommt nicht besonders gut wenn es von einer Opernsängerin gesungen wird. Zu viel Stimmvolumen. Das nächste hat besser geklungen, doch was das genau war, weiß ich jetzt nicht mehr so genau. Nun, das Ballett war toll, doch nicht wirklich synchron. Da war das Kinderballett, welches übrigens sehr lieb war, um einiges besser. Die Idee war wirklich toll. Die Mädchen als kleine Prinzessinen und die Buben in kleinen Fräcken. Hat lustig ausgesehen. Ja, und während all dieser Zeit sind wir bereits im Spalier gestanden und haben abgewartet. Doch plötzlich, während die Sängerin wegen Tonprobleme zum dritten Mal neu anfängt, geht meine Dame plötzlich aus den Reihen und lehnt sich irgendwo am Rand an. Prinzipiell geht das bei jeder Ballprobe, doch bei dieser haben wir so ein Donnerwetter bekommen wie noch nie. Was uns einfiele, einfach so wegzugehen und überhaupt. Sie hatte schon irgendwie Recht, diese Dame. Das Fernsehen brachte die Generalprobe und Gäste waren schließlich auch da. Ich hätte mich ehrlich gesagt nicht fortbewegt, doch sieht es in so einem Fall seltsam aus, wenn ich nicht mit der eigenen Dame mitgehe. Ansonsten lief die Probe ganz gut.

Dann kam der Tag an dem der Ball der Bälle stattfinden sollte. Von der Schule blieb ich an diesem Tag zu Hause. Ich wollte ausgerastet sein, denn wir alle wollten den Ball bis zum "Brüderlein fein" auskosten. Da meine Haare ziemlich schnell fetteten, ging ich gegen Mittag zum Frisör und ließ mir dieselbigen schneiden. Ich verlangte irgendetwas, das auf einem Ball getragen werden könne. Nun, sie wollte wissen, ob sie mit Schere oder Maschine schneiden sollte. Darauf meinte ich, daß bei der Maschine die Haare zu kurz werden würden und sie gab mir Recht. Trotz allem saß ich nachher mit gequälter Miene da, da sie eben doch mit der Maschine geschnitten hatte. Die Haare waren viel zu kurz! Eine typische Bundesheer-Frisur. Und dann wollte sie mir auch noch ein Gel reingeben, damit die Haare besonders flach liegen würden! Ich beschloß, nächstes Mal zu einem anderen Frisör zu gehen. Ich hatte am Ball die kürzeste Frisur von allen. Doch allein die Anreise zum Bal war schon ein kleines Problem. Es war ja eine Demo für 19 Uhr geplant. Die sollte am Ballhausplatz beginnen, und nachher zur Oper ziehen. Mein Problem bei der ganzen Sache war, daß ich meine Tanzpartnerin erst um 19:45 treffen würde. Und ich hatte ihre Eintrittskarte. Nun, am Karlsplatz war Chaos pur. Die Polizei hat die Aufzüge nahe der Opr gesperrt wie auch alle Aufgänge und Rolltreppen. Ich durfte dann vom Karlsplatz unterirdisch hinüberwandern. Dort war schon bald die erste Absperrung durch die Exekutive. Nur Kartenträger waren hier erlaubt. Da die Judith mit dem Taxi kommen würde, mußte sie hier nicht durchgehen. Es würde wohl ein kleines Problem werden, was die Eintrittskarte anbelangen würde. Doch auch das war kein so großes Problem wie eigentlich angenommen.

Ich wartete zwar geschlagene 15 Minuten am verabredeten Treffpunkt, doch dann kam sie und konnte durch eine Lücke in der Absperrung hindurch. Drinnen in der Garderobe für die Debütanten -im 6. Stock wohlgemerkt- wurden wir von einem bartlosen Mühlsiegl empfangen. Er wollte einem Wunsch der Frau Gürtl nachkommen, wie er meinte. Ein Chameur. Nun, auf jeden Fall konnten wir uns anhören, daß die Generalprobe noch nie in all den Jahren eine derartige Katastrophe war. Es wäre eine Blamage sondergleichen. Natürlich wurde alles noch einmal durchgeübt. Vom Anfang bis zum Schluß. Vorschluß, Rückschluß, Flirten nach links, eine Position weiter,... Fünf Minuten nach dieser Probe kam dann die Gürtler und erklärte, daß die Generalprobe wunderbar gewesen sei. Dann ging es hinunter in den Vorraum zum Festsaal um Viertel 10. Wir durften geduldig teils im Stiegenhaus, teils in eben diesem Vorraum warten bis wir schließlich um Punkt 22 Uhr die Fanfaren hörten. Fanfaren sind meiner Meinung nach etwas wirklich Tolles. Dann kam die österreichische Nationalhymne und die "Ode an die Freude", also die neue Europa-Hymne. Dann begann die Eröffnung. Ich kann nur für mich und meine Dame sprechen, doch zumindest was uns anbelangt, so waren wir nicht nervös. Warum auch? Ein Ball wie jeder andere auch, nur mit mehr Medieninteresse und -präsenz. Es ist diesmal nicht wie schon bei der Generalprobe jemand umgekippt. Der Einzug des ersten Blockes, bei dem ich auch war, verlief reibungslos. Dann kam wie bei der Generalprobe das Ballett und das Kinderballett. Dem folgte die Darbietung der Nancy Gustaffson. Nun, da ich das ohnehin schon kannte, schielte ich etwas in das Haus und beobachtete die Leute und bewunderte die Dekoration. Alles perfekt, wie es für eine Veranstaltung dieser Größe selbstverständlich ist. Besonders bei so viel Prominenz und Mediengewimmel. Da saß bei den Ehrengästen unter anderem der Marcel Prawy, der Blutkünstler Hermann Nietsch, Helmut Lohner und viele andere, die ich nicht kannte. Der Herr Bundespräsident Klestil in der Regierungsloge sah etwas ernst drein, oder, sagen wir lieber gelangweilt. Ein absolut stoisches Gesicht ohne die geringste Regung. Für ihn bedeutete der Abend wohl nur endloses Händeschütteln. Der neue Bundeskanzler, der Schüssel, hingegen, schien sich zu amüsieren; zumindest hatte er ein Lächeln auf den Lippen. Ist in diesen Zeiten aber sicher notwendig. Was mich beim Marcel Prawy gestört hat, war die Tatsache, daß er eine Pocketkamera am Schoß hatte. Das ist nicht passend für einen Ehrengast.

Dann zog der zweite Teil des Eröffnungskomitees ein, jener Teil, der noch 15 Minuten auf der Treppe warten durfte. Der Teil, zum der Albert gehörte. Er hat vom Ballett und alledem nichts mitbekommen, stand er doch in der 8. Reihe. So gesehen hatten es Judith und ich beer Wir durften wenigstens die Einlagen mitverfolgen während dem Stehen. Dann wurden beide Blöcke vereinigt und die Eröffnung konnte beginnen. Und genau hier passierte gewaltiger Fehler: Die beiden letzten Reihen hatten keinen Platz mehr uns standen noch auf der Treppe, während vorne der Hysek schon das Signal zum Beginn gab. Auf den Photos von oben konnte man das gut betrachten: die letzten 10 Reihen waren so dicht gedrängt, daß man sich kaum bewegen konnte. Die vorderen Reihen jedoch hatten bequem viel Platz und dachten gar nicht daran, weiter vor zu gehen. Sie konnten ja schlecht nach hinten schauen. Bei der Generalprobe geschah nichts dergleichen. Sonst, ja, kleinere Fehler gab es natürlich immer. Bei jeder Eröffnung und so auch bei dieser. Auch mir passierte das. Doch es sind Fehler, die weder in so einer Masse auffallen, noch dem Publikum selbst. Nach geschaffter Eröffnung kam dann der Abschlußwalzer, wonach wir Debütanten uns in die Garderobe verzogen. Zumindest der größte Teil. Leute wie der Daniel Serafin, mit dem ich ein halbes Jahr gemeinsam im Theresianum war, mußten sich natürlich den Interviews stellen. Oben im sechsten Stock rasteten wir zunächst einmal 20 Minuten, bevor es wieder auf die Tanzfläche ging.

Eben hier in der Garderobe herrschte bereits Picknick-Stimmung. Alle saßen sie auf ihren Decken und aßen und tranken Sekt. Es war wirklich gemütlich. Dann wanderten wir etwas im Haus umher, denn die Tanzfläche im Ballsaal war zunächst noch überfüllt. Wir tanzten zu spanischen Rhythmen, will sagen, einer Samba, und mehr. Wir kamen in einen Saal, in dessen Mitte eine Gruppe gerade "Phantom der Oper" spielten. Danach folgte irgendetwas Ungarisches, das aus der "Czardasfürstin" stammen hätte können. Hier gab es auch eine Bar. Ich erkundigte mich nach dem Preis eines Sektes und wurde überrascht. 155 Schilling für ein Glas! Wahrlich etwas zu teuer. Doch dann teilte mir die Bardame verständnisvoll grinsend mit, daß ein Champagner 245 kosten würde! Doch ich dachte daran, daß dies ein Ball sein würde, auf dem ich vermutlich leider nur einmal sein würde. Also lud ich meine Dame auf ein Glas Sekt ein, welches wir uns dann im Endeffekt teilten. Während wir vorsichtig das Getränk genossen, sahen wir über einen Fernseher Bilder der draußen tobenden Demo. Mir wurde es dabei wirklich anders. Zu sehen, wie die Leute da draußen mit Eiern werfen, wie plötzlich ein schwerer Teil der Absperrung sich über den Köpfen der Polizisten befindet, da wird einem mulmig, wenn man bedenkt, daß man in dem Gebäude ist, welches von der Demonstration umringt ist. Doch die Polizisten hielten die Massen zurück. In all dem Trubel übersahen wir leider die Zeit. Es war bereits fünf Minuten nach Zwölf, als ich auf die Uhr sah und feststellte, daß die Mitternachtsquadrille bereits in vollem Gange war. Und wir hatten kene Chancen, noch rechtzeitig durchzukommen. Doch ein kleiner Blick in das Programmheft tröstete uns: Es würde um Viertel Zwei noch eine Quadrille geben. In der Zwischenzeit vergnügten wir uns auf der Tanzfläche mit Walzer und vielem mehr. Es war als zweite Band das Salonorchester mit seinem Sänger Max Raab zugegen. Doch auch hier passierte das, was wir schon zuvor beim Kaffeesiederball beobachten konnten: Vorne bei der Bühne sammelten sich alle Leute zum Zuschauen. Die Tanzfläche war teilweise nicht mehr tanzbar. Dann ging es wieder zur Abwechslung in die Garderobe, wo wir von der Dame eines Freundes, der Andi, mit Sekt verwöhnt wurden.

Mitgebrachtem, selbstverständlich. Dann kam endlich die Quadrille und wir tobten uns so richtig aus. Die Oper hat an diesem Abend sie längste Tanzfläche Wiens und ist somit für einen Gallopp zwischen den Reihen hervorragend geeignet, ja es ist sogar eine Herrausforderung, wenn man zwischen zwei Touren von ganz vorne bis ganz nach hinten und wieder zurück galloppieren möchte. Danach fuhren wir mit dem Lift einmal ganz hinauf in den letzten Tang, da meine Tanzpartnerin wissen wollte, wie die Sicht hier heroben sei. Nicht besonders, wie wir feststellten. Und hier oben spielte auch eine Zwei-Mann-Band, die vielleicht nicht die beste war, doch tanzbar allemal. Und der größte Pluspunkt war, daß wir in Summe drei Paare hier heroben waren. Sonst war hier niemand. Und wir tanzten und tanzten, bis wir nicht mehr konnten. Dann pilgerten wir zum Ausgang, wo bereits die Photos der Eröffnung zum Verkauf bereit standen. Ein 13x18 Bild um 200 ATS ist ein stolzer Preis, doch kaufte ich trotz allem zwei. Als Erinnerung für später einmal. Ein 1mx0,5m-Bild gab es auch. Eine Weitwinkelaufnahme aus der Luft von der Eröffnung um 1200 ATS. Genial, aber leider zu teuer. Ich hätte es gerne gehabt. Doch um diesen Preis nicht. Eine Bekannte sahen wir auch. Sie hatte ich eigens eine Karte um 2500 gekauft. Und dann? Ich weiß es nicht mehr. Wir haben bis um 5 Uhr in der Früh getanzt. Es war das schönste Fest, daß ich je erlebt habe. Ein Fest der Freude. Es war schön, romantisch und traditionell. Um Punkt 5 Uhr wurde das "Brüderlein fein" gespielt, welches das Ende eines jeden Balles bedeutet. Ich war davon irgendwie seltsam berührt. Als wäre damit ein Traum zu Ende gegangen. Ein Traum, der vielleicht nicht einmal für mich bestimmt war. Wer auch immer gesagt hat, daß am Opernball jeder für eine Nacht ein Prinz oder eine Prinzessin sein kann, hat Recht. Es ist so. Ab diesem Zeitpunkt begannen die Leute wie verrückt, die Blumen einzusammeln. Was da für akrobatische Höchstleistungen vollbracht, hat mich erstaunt. Da kletterte zum Beispiel einer zwischen den Logen an der Fassade entlang, nur um ein paar Rosen zu erhaschen. Ich habe mich hier für meine Mitmenschen geschämt. Natürlich habe ich ebenfalls Blumen gesammelt, doch waren für mich drei Rosen und ein paar Orchideen genug. Die waren leicht erreichbar. Doch meiner Dame war es nie genug. Ich bin ihr durch das ganze Haus gefolgt, bis hinauf zu den letzten Rängen. Sie wollte unbedingt noch Orchideen für ihren sammeln. Und das nur für ihn, weil er sich welche gewünscht hat. Oben angekommen lehnte sie sich so weit über die Brüstung, daß ich sie bereits unten liegen sah. Circa 20 Meter tiefer. Sogar der Billeteur deutete mir schon mit den Armen ein eindeutiges "Aus! Halt!" Doch auch so konnte ic nchwer zur Räson bringen. Sie kann manchmal sehr stur sein. Eine halbe Stunde später saßen wir bereits gemütlich mit einem anderen Paar gemeinsam im Cafe Schwarzenberg. Anschließend fuhren alle wieder nach Hause zum Ausschlafen. Alle, bis auf mich. Ich ging ins Büro meiner Mutter, welches nicht weit vom Stadtpark gelegen ist. Und Zeit hatte ich genug. Eine Viertelstunde konnte ich im Foyer warten. Ich bin sicher, daß ich einen seltsamen Anblick bieten mußte. In einer Bank mit Frack und weißem Schal. Ich muß einen furchtbaren Eindruck gemacht haben. Übernachtig, total verfallen und mit zerknittertem Frack. Ich ging an diesem Tag doch ins Bett, wenn auch erst um halb 10 am Vormittag. Ich schlief bis 5 Uhr nachmittags.