Die Tradition der Eröffnung

Ballproben müssen streng sein. Oder? Warum oder warum nicht? Bedeutet alles Walzer neuerdings Rechtswalzer?
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Wenn Bälle zu besuchen schön ist, dann ist sie zu eröffnen ein Traum (meiner Erfahrung nach). Der Weg zur Eröffnung kann nervig sein, ja manchmal sogar langweilig, aber er ist lohnend. Es gibt keine günstigere Alternative um Bälle zu besuchen und man darf für eine halbe Stunde an der Gestaltung des Abends teilhaben. Spätestens, wenn man mit der Fächer-Bolonaise in den Saal einzieht und weiß, dass die ganzen Besucher gespannt die Eröffnung beobachten, wird man für alle Mühen entlohnt. |
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In diesem Augenblick gibt es nichts außer dem Partner, der Tanzfläche und der Choreographie, die im Kopf wie ein Videoband abläuft. Nach dem vielleicht 50. Mal funktionieren die Linien, Kreise und anderen Figuren. Der Eröffnungswalzer, der folgt ist meistens der einzige wirklich tanzbare Walzer, den man genießen kann. Jeder danach ist ein "Stop and Go"-Verkehr, bei dem Tänzer wie Nichttänzer die Tanzfläche blockieren. Mit der Zeit lernt man auch mehr und mehr die Balllokalitäten kennen, weiß, welche Abkürzungen es gibt und wo die besten Ruheplätze sind, wann die einzelnen Bälle ihre Einlagen haben und welche es sind. |
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Man lebt in und mit der Wiener Balltradition. Eine Eröffnung kann nur entweder ein Erfolg oder ein totales Fiasko sein. Erfolg, wenn die Besucher aus dem Klatschen nicht mehr herauskommen; Fiasko, wenn sie nicht einmal anfangen. Dann hat nicht nur das Komitee versagt, sondern auch der Choreograph. Nichts ist schlimmer als ein Choreograph, der sich nicht ausdrücken kann und die Schuld beim Komitee sucht. Ballproben müssen bis zu einem gewissen Grad etwas Militärisches an sich haben. Dies ist vor allem bei großen Bällen wichtig, denn auch wenn es viele für unangenehm halten, so ist ein gewisse Strenge und Übergenauigkeit doch notwendig. Ist der Choreograph zu locker, werden die Figuren nicht exakt genug ausgeführt und eventuell beabsichtigte Schwarz-Weiß-Effekte werden zu einem Rumgetanze, das mehr nach Chaos als Ordnung aussieht. |
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In letzter Zeit hat es sich auch auf einigen großen Bällen eingebürgert, zur Eröffnung Rechtswalzer zu tanzen. Das ist sehr schade, da gerade in Wien der Wiener Walzer auf den Bällen linksherum getanzt werden sollte. Hoffentlich wird es in den nächsten Jahren wieder einen Gegentrend in Richtung Tradition geben, aber mit der schwindenden Größe der Debütanten werden wohl auch die Balltraditionen schwinden. |
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Interessanterweise jedoch sind die Bälle genauso gut besucht wie eh und je. |
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