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T E R M I N E

Benimm dich!


Photo © wientanz.com

Wie wichtig ist gutes Benehmen in unserer modernen Gesellschaft?
Vieles hat sich verändert, seit *damals*, meinen viele, wer schaut denn noch darauf, ob ich mich richtig benehme. Aber man irrt häufiger, als man denkt. Kann man doch feststellen, und das geht unsere liebe Herrenwelt an, dass vor allem Frauen auf gewisse Kleinigkeiten doch noch Wert legen. Sogar ich, und ich möchte mich schon als moderne Frau sehen, sehe es nicht ungern, wenn mir mein Begleiter in meinen Mantel hilft, oder mir auch mal die Tür aufhält. Und somit wäre ich genau da, wo ich hin wollte.
 
In unserer modernen Welt prallen 2 Welten aufeinander. Da gibt es jene Menschen, die noch viel wert darauf legen, dass auch ihre Kinder sozusagen jede mögliche Verhaltensregel im Schlaf beherrschen und jene, die kaum Wert darauf legen, weil sie glauben, es wäre heutzutage unwichtig. Ich persönlich gehöre vermutlich zu jenen, bei denen es schon in der Kinderstube beigebracht wurde, dass man "Danke" sagt, niemanden beim Sprechen unterbricht oder der Großmutter den Arm anbietet. Ich würde sagen, solche Dinge gehören schon zur Allgemeinbildung, auch, wenn ich es schon anders erlebt habe. Sozusagen ein Mittelmaß oder Mittelweg, meine Eltern haben es also geschafft, mir eine schwierige Gradwanderung zu ersparen.
 
Ich erinnere mich aber auch noch an Extreme, zwar nicht meinerseits, aber damals für mich ein wenig schockierend.. Im Alter von 13 zum Beispiel sah ich doch tatsächlich eine junge, möglicherweise gleichaltrige Dame bei der Begrüßung ein Knixchen machen. Schon damals habe ich mich dafür nicht geeignet gefühlt, ich konnte mich nur wundern. Hatte ich nicht gelernt, mein Gegenüber mit einem festen Händedruck zu begrüßen und ihm dabei in die Augen zu sehen? Heute, wo die Damen und Herren der Gesellschaft eigentlich nur noch durch geschlechtliche Merkmale zu unterscheiden sind, sollte man doch meinen, dass ein unterwürfiges Kixerl nicht mehr notwendig ist, wenn es damals sogar in meinen Augen recht unpassend wirkte.
 
Beim Tanzen, vor allem auf Bällen, wiederum herrscht traditionsgemäß Herrenwahl. Tja meine lieben Damen, haben Sie sich schon einmal ohne Begleiter einen Ball besucht und darauf gewartet, dass jemand mit ihnen Tanzen möchte? Wie oft wird man heute auf einem Ball noch zum Tänzchen verführt? Ich vermute, Sie würden graue Haare haben, bevor sich ein Tanzpartner findet. Bälle sind zwar äußert kommunikative und beschwingte Flecken Erde, aber meist nur in Bezug auf die eigene Begleitung. Auch in Tanzlokalen funktioniert die Tradition der Herrenwahl nicht mehr so gut. Fazit: die tanzende Damenwelt wird schön langsam mutiger. Immer häufiger sieh man SIE die Initiative ergreifen, scheinbar "fangen" wir uns leichter einen Tanzpartner, als die Herren der Schöpfung uns.
 
Übrigens ist auch der Handkuss zwar noch nicht völlig aus der Mode gekommen, aber auch nur noch in gewissen Kreisen üblich. Solltet ihr also beim ersten Treffen mit der Mutter eurer Liebsten deren Handrücken küssen, wird sie sich vielleicht freuen, es könnte aber leicht deplaziert wirken.
 
Wie bringt man also sein gutes Benehmen an den Mann/die Frau? Am besten dezent. Man muss einfach abschätzen können, wo man sich wie benimmt. In der Schule vorzugsweise nicht zu steif, ebenso an der Uni. Locker, aber höflich eben. Ein wenig steigern kann man sich wiederum, wenn man in die Tanzschule geht, hier kommt es sicherlich schon weit besser an, wenn man einer Dame die Türe öffnet oder in den Mantel hilft. Auf Bällen darf man dann endlich sein ganzes Wissen, den Knigge, den man auswendig gelernt hat, aus sich heraus lassen. Ein kleiner Tipp: es ist sicher besser, man verhält sich höflich und nicht ganz perfekt, als man kommt vor lauter Grübeln nicht mehr zum höflich sein. Ich wette, sogar Könige haben schon einmal versehentlich bei Tisch ein Glas umgestoßen und sind damit davongekommen. Es ist sicher besser, man trägt etwaige Verfehlungen mit Würde, als man geniert sich in Grund und Boden und traut sich nie wieder außer Haus.
 
Für Unsicherheiten bezüglich des richtigen Benehmens lege ich den Betroffenen ein Benimm-Seminar nahe. Ich denke zwar nicht, dass man Benehmen in einem Schnellkurs auswendig lernen kann, aber im Notfall ist es sicher einen Versuch wert.