Das Tanzparkett als Partnerbörse?

Ist es nicht so, daß Tanzen in gewisser Weise auch Erotik ist? Was wäre also naheliegender, als dieses Gefühl mit seinem Herzallerliebsten, soweit vorhanden, teilen zu wollen. Und nach kurzer Überlegung wären wir schon bei dem Problem, das sicher viele Tänzer teilen. Erstens ist kein Tanzpartner vorhanden und zweitens schon gar kein Freund, der gerne tanzt. Was nun?
Es stehen ja einige Möglichkeiten offen, über deren Sinnhaftigkeit und Erfolgsquote verschiedene Meinungen existieren.
Erstens Ziel: Ein Single-Tanzkurs in der Tanzschule meines Vertauens. Man begibt sich in Gesellschaft vieler mehr oder weniger potentieller Tanzpartner, in der Hoffnung, nicht nur Tanzen zu lernen, sondern auch noch einen potentiellen Lebensabschnittspartner abzuschleppen. So hat man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.
Die Tanzpartnerbörse im Internet:
Klingt eigentlich ganz einfach. Man sucht ein einschlägiges Internetportal auf, sucht sich einen Nicknamen aus, trägt sich ein, loggt sich ein, und braucht nur noch seine Wünsche in einem Inserat verewigen. Danach kann man sich ganz dem Stöbern in bereit geschalteten Inseraten männlicher Erdbewohner hingeben. Unter so vielen potentiellen Traumpartnern muß doch wohl der Richtige zu finden sein. Liest man doch: "190 cm Wiener auf Goldstar Niveau sucht kultivierte und sympatische Tanzpartnerin auf etwas gleichem Niveau. Habe Turniererfahrung, aber keine tänzerischen Präferenzen. Partnerschaft nicht ausgeschlossen." Nun gut, verspricht das nicht fast einen Traumprinzen. Oder kauft man da doch nur die Katze im Sack. Kippt an aus den Socken, wenn man zum ersten Mal sieht, was lange e-mails versprochen haben? Was verspricht man sich eigentlich, wenn man ein Inserat aufgibt. Wirklich nur einen Tanzpartner? Wie viele Tänzer versprechen sich mehr als das?
Es ist nun mal ein Fakt, daß Tanzen eine ziemlich intime Angelegenheit ist. Man verläßt sich auf den Partner, man geht auf ihn ein und irgendwann spring der Funke über. Es ist fast wie eine richtige Partnerschaft, also ist es eigentlich auch kein Wunder, daß viele Tänzer letztendlich in einer Partnerschaft mit ihrem Tanzpartner landen.
Endstation Tanzfläche: etwas, was viele Tanzpartner/-paare bald feststellen, ist, daß man bei gut vertrauten Personen, wie zum Beispiel dem Freund/der Freundin, in puncto Reizbarkeit eine viel niedrigere Hemmschwelle hat. Streits sind fast vorprogrammiert. Entweder die Beziehung festigt sich, oder sie zerbricht daran.
Dann gibt es allerdings immer noch jene Tänzer, die sich keine Partnerschaft mit ihrem Tanzpartner vorstellen können. Das sind dann jene mit den größten Problemen in der Tanzpartnersuche, denn mit dem gemeinsamen Tanzen ist es meistens aus, wenn einer der beiden dem anderen einen Korb geben muß. Warum meinen eigentlich besonders männliche Kollegen immer, daß ihre Weibchen unbedingt ausschließlich auf dem Parkett finden müssen. Es geht ja manchmal sogar so weit, daß wir Frauen uns auf der Tanzfläche abgrabschen lassen müssen. So findet die ganze Sache natürlich gleich ein schnelles Ende, angenehm ist es allerdings trotzdem nicht. Wir sind doch keine Püppchen, nur weil wir ab und zu mal kurze Röcke und hohe Absätze tragen, oder? Mir ist schließlich noch nie zu Ohren gekommen, daß ein Mädl ihren Tanzpartner abgegriffen hätte. Wozu also? Vor allem schindet das ja noch nicht einmal Eindruck und ebnet vor allem bestimmt keinen Weg zu einer Beziehung. Also bitte meine Herren, wenn ihr schon auf mehr aus seid, dann geht es wenigstens etwas geschickter an. Vielleicht habt ihr dann sogar bei den Damen Erfolg, die nicht auf eine Beziehung aus sind.
Es ist also eine schwierige Sache, den schmalen Grad zwischen Partnerschaft und Tanzpartner zu begehen. Ob sich etwas ergibt oder nicht, kann man natürlich nie im Vorhinein sagen. Darauf aus zu sein, ist sicher auch nicht sinnvoll. Eines ist allerdings sicher: Zum Tanzen gehört auch ein klein wenig sexuelle Energie, die man auch mit einem guten Freund einfach nur in tänzerische Bahnen leiten kann. Man braucht nicht mit dem Tanzpartner liiert zu sein, damit der Tanz richtig wirkt.