Menu:

T E R M I N E

Willkommen bei WienTanz.com

Bonbonball 2007



16. Februar 2007, die Ballsaison neigt sich dem Ende zu, die Nacht des Opernballs ist gerade vorbei. Am letzen Freitag im Fasching lädt das Konzerthaus zum traditionellen Bonbonball, dem 58. übrigens dieses Jahr.

Nach dem Zuckerbäckerball im Jänner, der zweite „süße“ Ball, lockt der Bonbonball auch heuer wieder scharenweise Publikum an.

An der Hauptstiege am Weg zum Festsaal werden die Herren gleich mit einem Manner Neapolitaner Cremelikör (Herrenspende) aufgemuntert, ihren Damen doch bitte eifrig aufs Tanzparkett zu folgen und, gemäß dem alten Prinzip: der Mann, der Großwildjäger, fleißig Süßwaren für die Dame des Herzens zu ergattern. Erste Chance dazu gleich bei Sissi und Johann Strauss, die Sissi-Taler verteilen.

Schön, dass man gleich erahnen darf, was auf einen zukommt: ein „Schmutzfänger“ in bekanntem rosa mit saloppem Schriftzug „Manner“ begrüßt uns gleich zu allererst. Der Stargast des heutigen Abends? Vorbei am aufwendigsten Blumenschmuck des Abends, kleine Strelizien-Bouquets, geht es dann hinauf zum Festsaal.

Statt atemberaubendem Floristenwerk dürfen sich hier über dem Podium und der Tanzfläche die Süßwarenhersteller in Übergröße präsentieren. Riesenschilder von Manner, Napoli, Hofbauer, Heindl, Lindt, Süwag thronen über der Bühne, dazwischen ein meterlanges Bild mit einer Darstellung des „Zuckerhuts“, denn Brasilien ist das Gastland des heutigen Abends. Zighundert rosa Mannerballons säumen den Gang hinter den Logen im ersten Stock.

Ungewöhnlich für den Hofburg-gewöhnten Ballbesucher: vorne beim Podium können wir ungestört unsere Position beziehen, um die Eröffnung zu fotografieren und unsere Eindrücke zu notieren.

Mit leichter Verspätung geht es dann nach 21.00 los. Barbara Karlich, gehüllt in mutiges Zyklam-rosa, versucht die verlorenen Minuten durch eine schnelle Moderation wieder einzuholen. Das Eröffnungskomitee der Tanzschule Wagner wird angekündigt und schon erklingen die ersten Töne des Einzugsmarsches, pardon der Fächerpolonaise, wie das Ballprogramm verrät. Aber halt: die Klänge des VBO, des Vienna Ballroom Orchestra unter der Leitung von Gerald Seilinger (unverwechselbar mit ellenlangem Zopf), lass unerwartetes erahnen: der Eintausch einer E-Gitarre gegen einen Kontrabass macht eine ansich brillante Big Band leider noch zu keinem klassischen Ballorchester.

Kleine Schritte, den Blick gesenkt (extreme Konzentration, oder???), nur ja kein Lächeln, weder versteckt, noch verschmitzt, so erscheint das Jungdamen-,Jungherrenkomitee. Wo ist der Stolz, diesen Ball zu eröffnen? Die sonst omnipräsenten Eröffnungssträusschen sind inexistent, Fächer oder andere Accessoires (wie der umwerfend süße Muff am Ärzteball) fehlen.

Umso beschwingter der Einzug der Ehrengäste. Allen voran die „Süße Parade“: Lindt Lindorkugeln, Haribo-Goldbär, Küfferle Schirmchen, Manner-Schnitten, Celebrations-Mädchen, Casali-Mädchen (typische Studentenjobs – schließlich hat auch Brad Pitt einmal als Huhn in Lebensgröße begonnen – Karriere also noch möglich). „Wow-ihr seid alle so groß, davon träum ich manchmal“, konnte man von der Karlich vernehmen.

Danach die Vertreter der Süßwarenindustrie: kaum herinnen, verlassen die ehrenwerten Herrschaften die Bühne wieder durch die Hintertür: Platz ist nur für Auserwählte. Hinter den Blumenkisterln mit den Zyklamen, die das Podium säumen, nehmen der brasilianische Botschafter sowie WKW-Präsidentin KR Brigitte Jank Platz; dicht daneben aufgestellt Missen der Vorjahre, auch die Miss 1977 hat den Weg zum Bonbonball wieder gefunden.

Barbara Karlich kündigt mit Schwung die Sambaschule an – jedoch: die Sambaschule ist noch nicht bereit. Heinz Alphonsus, großer Organisator des Events, rettet die Situation und begrüßt unter anderem „Elfi“, KR Elfriede Györgyfalvay, „schön, dass Du heuer wieder da bist“. Dann doch: mit Trommelwirbel und dem Tröten eines schrillen Pfeiferls erobert die älteste Sambaschule Österreichs, die Sambaschule „Rot-weiß-Rot“, Podium und Parkett. Zum Sambatanzen haben sich leider nur 3 nette Damen gefunden, rund 20 andere Mitteleuropäer widmen sich in interessanten Gewändern motiviert ihrem Schlagzeug.

Trötendes Pfeiferl gegen Kontrabass getauscht: die Eröffnung durch das immer noch nicht lächelnde Komitee. Die Choreographie ist überraschend nett, hübsche tänzerische Elemente. Irgendwie wirkt aber alles ein wenig unsicher; auf die Reihen wird leider nicht geschaut, das wäre für den Moment dann wohl einfach zuviel.

KR Brigitte Jank, überall dort zu Gast, wo es um die Wiener Wirtschaft geht, bringt die Sache in ihrer wie immer kurzen und prägnanten Rede auf den Punkt“ „54 Bälle mit 51 Millionen Umsatz sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Wien“, doch daran sollte an diesem Abend nicht gedacht werden. Eine „heiße, rhythmische, vor allem aber süße Ballnacht“ wünscht sie allen Anwesenden. Seine Exzellenz der Botschafter von Brasilien Celso Marcos Vieira de Souza widmet sich sodann der Balleröffnung: nachdem durch seine Kollegin alle zu einem baldigen Besuch in Brasilien aufgefordert wurden, Heinz Alphonsus abermals gedankt wurde, ist der Ball endlich eröffnet. Dem Rechtswalzer des Komitees (leider immer noch nicht von der CD) folgt ein beherztes „Alles Walzer“ von Ing. Wagner und der Abend kann endlich für alle beginnen.

Im Casali-Palmensaal trifft man neben der CUBA-Cocktailbar auf karibisch-kubanische Live Musik von „Habana Son Club“, heiße Rhythmen im Stile des Buena Vista Social Clubs. Imposant das Riesenposter von Casali, dass über der Bühne hängt: Eine typische karibische „Mama“ träumt von einem „Wunderbaum“ mit Kokosduft; ein Pirat steigt einem Papagei auf den Kopf, dieser träumt immer noch von Kopf-, pardon Kokosnüssen!?

Wir suchen die angeblich so zahlreich umherwandelnden Zuckerl-Verteiler, treffen die Casali-Lady und laufen beschwingt von Rum- und Pina Colada-Kugerln weiter.

Wieder im Festsaal begutachten wir vom ersten Stock aus die vielen Dallmayer Leinensackerl, Hüter der erjagten süßen Beute, die, je nach Gewicht, mehr oder weniger hoch durch die Luft schwingen. Im Halbstundentakt: Gewinnregen im Festsaal. Riesengroße Ballons, in brasilianischen Farben, von Wiener Zucker und herzige Jelly Belly Figuren fallen von der Decke des Konzerthauses. Darunter ein Riesengedränge und ein Gerangel um den Balloninhalt, ein kleines Tombolalos. Beim Anblick des Getümmels könnte man meinen, es ginge um „die Wurst“. Wehe dem, der es wagte, einfach unter einer Ballontraube ahnungslos zu tanzen! Was bleibt, sind Ballonfetzen, die zwischen Loskuverts die Tanzfläche schmücken.


Wir beobachten ein wenig die Ballgäste: So schmiegt sich ein beiger Anzug mit rotem Hemd und gestreifter Krawatte an seine Dame, daneben ein stattlicher Herr im Frack - ein buntes Durcheinander, wer hätte das gedacht? [„ Herren: Frack, Smoking, schwarzer Anzug; auf dem Bonbonball 2007 wird wegen berechtigter Kritik besonders auf die Ballkleidung geachtet“ ist der Homepage zu entnehmen? Nun ja, das muss sich wohl noch zu den Ballgästen herumsprechen – oder zum Einlass].

Kurz vor Mitternacht darf nun Maya Haakvoort auf das Podium und gibt ein Stück aus dem Musical Mozart zum Besten. Danach wird die Spendenaktion des Abends präsentiert: „der kleine Nazareno“, eine Kinderhilfsorganisation in Brasilien: ein Scheck über € 4000 wird überreicht. Durch die Eintrittskarten und den am Ball verkauften Cornettos der Firma Eskimo ist schon einiges zusammengekommen.

Dann endlich, das Highlight des Abends: die Wahl zu Miss Bonbon. Stundenlang hatten sich Stadt- und Landschönheiten bereits angemeldet und sich einer Vorauswahl gestellt. Die, laut hochkarätiger Jury, hübschesten 11 Mädchen dürfen auf das Podium. Die Jury, ein Who is Who der Österreichischen Society- und Life-Style-Reporter: Robert Neumann von den Seitenblicken, Dominic Heinzl von ATV, Peter L. Eppinger vom Hitradio Ö3, Vertreter von Kurier, der Krone Tierecke (?), Radio Arabella, Woman und News haben die Ehre, die Miss Bonbon 2007 zu erwählen.

„Wo sind die Missen?“ „Sind die Missen schon da?“, fragt Barbara Karlich einige Male. Na klar, die sind noch nicht da und so stellt die Karlich schlau fest „das ist wohl so ein Moment, den man als Moderator füllen muss“. Das Publikum wird mit Fragen überhäuft und dann wird zuerst wird eine „besondere Miss“ ausgezeichnet: Katharina, eine hübsche junge Frau, im Rollstuhl, hat sich für die Wahl zur Schönsten des Ballabends gemeldet und wird prompt für ihren „Mut“ belohnt.

 

Dann die Schönheiten des Balls: Bianca, Marina, Anika, Arielle, Sabrina, Sophie, Sandra, Angelika, Alina dürfen vortreten. Nach Nennung von Alter (zumeist Anfang 20) und Beruf (Studentinnen, Flugbegleiterin, Verkäuferin, Sekretärin), eine kleine, in vielen Fällen etwas unbeholfene Drehung vor der Jury. Punkteverteilung und die zweite Runde: Bianca, Sandra und Alina sind weiter dabei und – ganz unerwartet – gewinnt Bianca Grotschar, eine asiatische Schönheit mit Blume im Haar.

 

Traditionellerweise wird die Miss Bonbon von Manner in Schnitten aufgewogen – doch ob die Miss wirklich soo leicht ist, wie wir anhand der zweiten Waagenhälfte erspähen können, wagen wir zu bezweifeln. Die Krönung der Ballschönsten erfolgt sodann… doch was sich wirklich abspielt, das sieht leider keiner – weder wir, die wir ganz vorne am Podium stehen, noch die vielen hinter uns: eine Mauer von Fotografen-Rücken versperrt allen bereits während der Wahl die Sicht. Jetzt ist gar nichts mehr zu entdecken. Blitzlichtgewitter für die Miss, Langeweile ob der langen, aufgezwungenen Pause beim Publikum.

Die Karlich wundert sich, warum die Band für die Einlage noch nicht aufgebaut hat. Leider dauert so ein Aufbau auch seine Zeit - warten also. Die Miss Bonbon Bianca darf nun von ihrem Thron aufstehen. Die Vorjahresmiss, Maria Kirchmeir verlässt die Bühne und wir wundern uns über die Ähnlichkeit mit der heurigen Miss (oder war die Kleiderfarbe, Haarlänge und Figur nur irgendwie Zufall? Wie der so spielt!).

Befreiung als Ianara Belfort und Iris Carma mit Sol do Brasil original brasilianische Musik präsentieren. Die Show geht weiter und weiter und weiter….Gewinnregen…..weiter…

Was wir uns fragen ist: was macht den Reiz dieses Balles aus?

Wir erfreuen uns einem immens großen Gastroangebot im gesamten Konzerthaus (auch in den heiligen Hallen der ehemaligen Tanzschule Prof. Fränzl) und an wirklich guter Musik (von VBO und im Casali Palmensaal). Was uns wundert ist, dass sich niemand daran stößt, dass das Konzerthaus zur riesigen Werbefläche umgewidmet wird und ganz ungeniert für die Produkte einer Branche die Werbetrommel gerührt wird. Soll noch einer einmal etwas über Product Placement im Fernsehen sagen? Im Fall vom Bonbonball zahlen die Leute sogar noch dafür, an dieser Werbeveranstaltung teilnehmen zu dürfen und freuen sich über die Verkostungsmöglichkeiten.

Fazit: ein interessantes Ereignis, das seinesgleichen sucht.

PS: Nur so nebenbei: In unserem Fall wären uns unsere ca. 20 ergatterten Rum-Kokos-Kugerln „teuer“ gekommen – aber klar: SO darf man natürlich nicht rechnen!

Print