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Kaffeesieder Ball 2008




Der Ball der Wiener Kaffeesieder ist auch dieses Jahr wieder ein Ball der Superlative gewesen, der die Gäste magisch anzog. Als einer der größten Bälle in Wien bietet sich hier eine der seltenen Gelegenheiten, die gesamte Hofburg entdecken zu können.


dichtes Gedränge bis in die Morgenstunden

Das Thema dieses Jahres lautete Kaffee alla turca und widmete sich so dem Ursprungsland des Kaffees, der Türkei. Traditionsgemäß wurde auch ein Café des Gastlandes vorgestellt. Dieses war heuer das berühmte Cafe Divan, welches sich zu einer großen Marke ähnlich wie unser Sacher etabliert hat.


Auch auf den Torten wurde das Thema umgesetzt

Bereits beim Betreten des Festsaales entdeckte man sofort das riesige Logo des Balles, ein stylisiertes Tanzpaar, und natürlich die zahlreichen Gäste, die alle Eingänge in den Saal verstopften, um einen Blick auf die Eröffnung zu erhaschen. Glücklicherweise stellten die Veranstalter in fast allen Sälen große Flachbildschirme auf, die zur Eröffnung sowie der Mitternachtseinlage und der Quadrille das Geschehen auf der Tanzfläche live übertrugen. Zu den anderen Zeiten lief eine Präsentation mit gelungenen Fotos der einzelnen Kaffeehäuser Wiens.
Bereits vor der Eröffnung erhielten die Fotografen und Fernsehteams, die sehr zahlreich aus dem In- und Ausland vertreten waren, gezielte Anweisungen, um nicht den Ehrengästen die Sicht zu nehmen. Eine gute Maßnahme, an die sich leider nicht alle Fotografen hielten und den anderen oft die Sicht versperrten.


Einzug des Eröffnungskomitees

Dkfm. Thomas Schäfer-Elmayer

Zu Beginn zogen, mit kleiner Verspätung, die Eröffnungspaare ein und bildeten ein Spalier für die Ehrengäste. Diese waren so zahlreich, dass selbst auf der Tanzfläche noch mehrere Stuhlreihen standen. Nachdem alle Gäste Platz genommen hatten folgte ein Ballett "Rondo alla Turca" (Mozart) getanzt von der Dream Dance Company aus Ankara, welches sehr witzig und modern inszeniert war (Choreografie Volkan Ersoy) und wie die Farben auf einer Leinwand wirken sollte.


"Weana Madl'n"

Rondo alla Turca

Daran anschließend folgte "Meine Lippen, die küssen so heiß" aus Franz Lehár's Operette "Guiditta", wunderbar gesungen von Annely Peebo, die schon gesanglich bei Christmas in Vienna 2006 und in der Volksoper (Boccaccio, 2006) in Wien große Erfolge feiern konnte. Den krönenden Abschluss der künstlerischen Einlagen bildete das Ballett "1001 Nacht-Walzer" (Strauss Sohn) der Vereinigung Wiener Staatsopernballett mit einer Choreografie von Lukas Gaudernak.


Annely Peebo

oben und unten: Staatsopernballett


Der Eröffnung selbst stand diesmal ganz im Zeichen C. M. Ziehrer's: nach der Fächerpolonaise folgte eine äußerst nette Interpretation des "Türkischen Marsches", einstudiert durch die Tanzschule Elmayer, welcher interessante Elemente des höfischen Tanzes enthielt und leicht an ein Menuett erinnerte. Sehr passend zu den vorigen Einlagen!


Eröffnungstanz zum "Türkischen Marsch"


Im Anschluss folgten die Reden, bei denen der Kaffeesieder Ball vor allem bei der Anzahl der Redner wie auch der Gesamtlänge sicherlich alle Rekorde hält. Kommerzialrat Maximilian Platzer erläuterte kurz das Thema des Abends, begrüßte die Gäste, vor allem die zahlreich erschienenen Vertreter der Türkei und beschwörte die Freundschaft beider Länder und die gemeinsame Kaffeekultur. Seine Exzellenz Selim Yenel, der Botschafter der Türkei in Wien, las sogar unter mystischen Klängen des Opernballorchesters (Dirigent Prof. Uwe Theimer) aus der Kaffeetasse des Komm.rates Platzer - eine in der Türkei scheinbar durchaus übliche Tradition - und sagte dem Ball noch viele Jahre mit zahlreichen Freunden und Besuchern voraus. Eine wirklich amüsante und durchaus reizende Einlage, die dem Ball etwas des Ernstes nahm und schmunzeln ließ.


Kaffeesatzlesen, links der türkische Botschafter, rechts Komm.rat Platzer

Weiters folgten zahlreiche Reden, von denen besonders die Dr. Helmut Zilk's wieder aufhören und schmunzeln ließ. Als passionierter Kaffeehausbesucher bemerkte er, dass das Café vor allem einen Wiener Drang befriedigen würde: In Gesellschaft allein sein zu können. Für ein, zwei Damen des Eröffnungskomitees war dann das lange Stehen (die gesamte Eröffnung dauerte rund eineinhalb Stunden) doch zuviel. Danach tanzte die Walzerformation der Tanzschule Elmayer zusammen mit dem Eröffnungskomitee den ebenfalls von Ziehrer stammenden Eröffnungswalzer "Weana Madl'n". Kurz darauf wurde das Tanzparkett vom Publikum gestürmt, welches es bis in die frühen Morgenstunden nicht mehr hergab. Auch andernorts, in den anderen Sälen war das Tanzen oft nur schwer möglich, da die Gäste des Kaffeesiederballes allesamt begeisterte Tänzer zu sein scheinen.


Im Walzerrausch

"Alles Walzer!"

Weitere Attraktionen des Balles waren die Tombola, welche schon sehr früh gewohnheitsgemäß ausverkauft war, sowie die Gewinner des Patisserie Grand Prix der Schokoladekunst, die ihre beeindruckenden Kunstwerke aus Schokolade im Foyer ausstellten. Hierbei beeindruckten die unglaublichen Formen und Zeichnungen, die mit diesem süßen Material möglich sind. Mancher Besucher wünschte sich sicher, dass auch diese Kunstwerke probieren zu können.



Fantasievolle Torten als Tombola-Preise

Gewinner-Skulptur des Patisserie Grand Prix

Wo bei anderen Bällen die Aufzählung der Besonderheiten enden würde, gibt es hier noch viel mehr aufzuzählen. So verschieden und zahlreich waren die Eindrücke, dass man bis in die späten Morgenstunden noch Neues entdecken konnte. Da war unter anderem der Austernstand am "Platzl", dem oberen Ende der Feststiege, das Café Divan im Forum (wo man türkische Spezialitäten wie türkischen Honig, Baklava und Mandeln in Schokolade naschen konnte), das eigens aufgebaute Glaszelt mit Sitzgelegenheiten, Bar und Musik, der wieder sehr inzwischen gewohnte, gut gelungene Kunstfächer und natürlich das Dachfoyer, wo man mit einem ausgezeichneten Blick auf die Michaeler-Kuppel und bei angenehmer Tanzmusik seinen Cocktail genießen konnte. Warum aber gerade bei den hohen Preisen eher sparsam eingeschenkt wurde, ist nicht nachzuvollziehen. Da der Andrang hier hinauf sehr groß war wurden immer wieder nur kleine Gruppen hinaufgelassen, gerade soviele, wie auf der anderen Seite das Dachfoyer wieder verließen.


Austernbar

Wiener Musik im Heurigen

Auch das Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung war wieder vertreten und warb für den Erhalt der Kaffeekultur.


Kaffeekultur pur

Als Mitternachtseinlage trat die Sängerin Candan Ercetin auf, welche den Saal mit orientalischen Klängen verzauberte. Das Publikum, offensichtlich gut gelaunt, tanzte teils mit und konnte kaum die Augen von dieser charismatischen Ausnahmesängerin mit ihrer ausdrucksvollen Stimme lassen. Das Ballprogramm schreibt dazu, dass sie sowohl als Frau als auch als Künstlerin eine Ikone ihrer Zeit gilt. Hohes Lob, aber absolut verdient.


Candan Ercetin

gut gelauntes Publikum

Um 1:00 folgte dann die Publikumsquadrille unter der klassischen Ansage von Dkfm. Thomas Schäfer-Elmayer.


Fledermausquadrille

Auf ballmüde Besucher wartete beim Ausgang die Damenspende, eine Kaffeetasse von Julius Meinl, und außerhalb der Hofburg Fiaker, welche die Gäste ins Café Landtmann brachten. Besonders beliebt waren bei den frostigen Temperaturen natürlich gerade die geschlossenen Kutschen. Doch obwohl es kalt war, nutzten viele die Gelegenheit einmal mit dem Fiaker zu fahren. Im Landtmann konnte dann der Ballabend gemütlich ausklingen.


Warteschlange bei Minus-Graden

sehr begehrt: geschlossene Fiaker

Weitere Fotos vom Ball gibt es in unserer Fotogalerie

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