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Zuckerbäckerball 2009 - Ein Bericht



Vor zehn Tagen war ich noch ein normaler und gesunder Tänzer. Aber nun bekomme ich von Tag zu Tag weniger von meinen Zehen zu sehen, da diese weiter und weiter hinter dem Horizont meines Bauches verschwinden. Ja, das alles begann am Zuckerbäckerball. Oder vielleicht sollte ich eher sagen, dass alles am Zuckerbäckerball endete, da das Ende des Balles auch der Beginn meines bedauernswerten Zustandes war.
Um dies alles zu verstehen ist es wichtig zu wissen, dass es am Zuckerbäckerball um Torten geht. Es gibt zahlreiche Arten, eine Torte zu bekommen. Man kann ein Tombola-Los für 10 € erstehen (die sind schnell weg, also demtentsprechend beeilen) oder man kann versuchen einen der Ballone zu ergattern, welche in regelmäßigen Abständen von der Decke des Saales heruntergelassen werden. In manchen von diesen befindet sich eine Münze, die einem eine Torte bringt. Oder man wird Ehrengast und erhält als einer der ersten eine Torte.


Verschiedenste Möglichkeiten, zu gewinnen

Aber wenn man bis auf das Ende wartet, bis ungefähr drei oder halb vier in der Früh, wenn nur noch wenige Gäste am Ball sind, kommt eine Person auf die Bühne, die Tortengutscheine in die Menge wirft. Die Gäste sind natürlich dafür sehr empfänglich. Dieses Jahr, wie auch letztes Jahr, kam einer dieser Gutscheine direkt auf mich zugeflogen. Nun, eigentlich nicht direkt, eher einen Meter entfernt. Gut, wahrscheinlich mehr als sieben Meter... Der Wurf fiel nämlich eher kurz aus und landete direkt am Ende der Bühne direkt neben einigen anderen Gästen. Ich hatte nur einige Schritte zu gehen, nun, eigentlich musste ich einen kurzen Sprint hinlegen. Mit einem Hechtsprung am Schluß, der mich den letzten halben Meter über den Boden rutschen ließ. Auf diese Art handelte ich mir zwar ein oder zwei blaue Flecken ein sowie eine Entschuldigung eines anderen Gastes, dessen Hechtsprung auf mir endete, aber zumindest hatte ich den Tortengutschein! Ich denke, dass sein "Es tut mir Leid" eher bedeutete, dass es ihm Leid tat, nicht schneller gesprungen zu sein. Aber ich bin sicher, dass er dankbarer gewesen wäre, wenn er die schrecklichen Konsequenzen gewußt hätte.






Da ich mir letztes Jahr mit dem Einlösen der Gutscheine Zeit gelassen hatte und dann nur ein Brioche-Herz ergattern konnte, wollte ich es dieses Jahr besser machen. Ich sah gleich einen der anderen Glücklichen aus dem Saal laufen und eilte ihm nach. er führte mich zu wahren Kunstwerken von Torten, die schon zu Beginn des Balles in einem eigenen Bereich ausgestellt waren. Da die Auswahlzeit begrenzt ist und die Anderen direkt hinter einem sind, empfiehlt es sich schon im Voraus für sich persönlich eine Präferenz zu finden. Ich wählte eine nett aussehende Torte mit hellen Farben. Dieses Ding war enorm groß und schwer! Ich konnte es kaum heben, geschweige denn zurück zur Tanzfläche tragen.
Wenn ein Bekannter von mir nicht angeboten hätte, gemeinsam mit mir die Torte heim zu transportieren, ich wüßte nicht, wie ich es allein hätte bewerkstelligen sollen. Und in den Kühlschrank passte sie später auch nicht. Selbst bei der Autofahrt mussten wir aufpassen, da sie anfällig auf plötzliche Richtungsänderungen war.



Und das war der Grund, warum ich mich nun seit fast zwei Wochen von Torte ernähren muss. Auf jeder Party bin ich ein Hit, da ich natürlich, wohin ich auch gehe, Torte mitnehme. Nur leider ist dieses Kunstwerk so massiv, dass es einfach nicht weniger wird, ganz egal wie viel ich esse oder verschenke. Nach zwei Wochen habe ich es nun endlich durch die oberste Schicht geschafft, aber ich fürchte nun um mein Gewicht und meine Tanzkarriere. Ja, es ist sehr traurig, wie sehr das Gewinnen einer Torte das eigene Leben beeinflußen kann.
Aber nun Schluß mit meinen Tortenproblemen und zurück zum Zuckerbäckerball.


Klaus Mühlsiegl als Gast

Dieses Jahr wurde die Choreografie nicht mehr von Herrn Mühlsiegl geleitet, da dieser angeblich in Pension gegangen ist. Am Ball wurde er auch geehrt (und eine Torte erhielt er auch), und ich möchte mich daran anschließen. Herr Mühlsiegl hat sich zu Beginn meiner Tänzer-Laufbahn überraschend sehr für mich eingesetzt, für ihn damals einen absoluten Fremden. Und das beeindruckte mich tief. Ich wünsche ihm alles Gute in seinem neuen Lebensabschnitt.

Die Zahl der Eröffnungspaare scheint auch von Jahr zu Jahr zu wachsen. Dieses Jahr gab es mindestens 23 Reihen mit 8 Kolonnen! Gleichzeitig war die Choreografie sehr einfach und alle Debütanten-Paare schienen den Walzer im Griff zu haben. Hier handelt es sich offensichtlich um einen Ball für junge Leute und er ist perfekt geeignet, um in die Ballszene einzusteigen. Es ist viel entspannter als auf einem typischen Hofburg-Ball und es wird auch mehr Latein gespielt und getanzt. Da zu erwähnen ist vorallem die Disco und ein eigener Tango Argentino und Salsa-Bereich.Andererseits empfehle ich wirklich in einer Gruppe oder mit einem Partner auf den Ball zu gehen, da es hier schwieriger ist jemand kennenzulernen, als auf einen Hofburg-Ball.


Vergnügte Gäste am Ball

Lesenswert ist auch mein Bericht vom Vorjahr, in dem über die Ballone berichtet wird. Außerdem gilt auch zu beachten, dass nicht alle Torten die Ausmaße von meiner hatten. Die meisten sind eher von handlicher Größe. Dieses Jahr gingen die Organisatoren jedoch etwas zu weit mit den Ballonen, die keinen Preis enthielten. Diese wurden ungefähr um drei Uhr früh herabgelassen und waren teilweise so groß, dass man stehend in einige gepaßt hätte! Diese wurden dann auch von den Gästen nicht mitgenommen. Sie waren einfach zu groß. Aber selbst die zweitgrößten Ballone waren zu voluminös für meinen Geschmack. Die roten, kurvigen entpuppten sich aber als ausgezeichnete Tänzer!

Ich wünsche Ihnen ein kalorienarmes Tanzen!
Csaba Gabor

aus dem Englischen übersetzt von Stefan Bugovsky
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