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Grazer Opernredoute 2010 - Ein Bericht


Grazer Opernredoute 2010

Die Grazer Opernredoute ist ein besonderes Highlight der steirischen Ballszene und auf jeden Fall auch für Nicht-Einheimische einen Kurzurlaub in Graz wert. Der Ball bietet viele Parallelen zum Wiener Pendant, wenngleich es auch Divergenzen gibt. Eine der auffälligsten Gemeinsamkeiten war sicherlich der Ablauf des Balles und der Eröffnung selbst. Einlass war schon Stunden vor der festlichen Eröffnung, und genau wie in Wien warteten von der ersten Minute an diverse Kamerateams und Fotografen auf der Feststiege des Foyers mehr oder weniger geduldig auf die ersten Promis des Abends. Ein Blitzlichtgewitter auf Standby.
Doch die Inszenierung des Balles begann schon vor dem Gebäude. Über das gesamte Areal fanden sich kleine Feuer und Fackeln und die Oper wurde in bunte Farben getaucht, so dass man bei der Anfahrt mit dem Taxi bereits in die richtige Ballstimmung versetzt wird.

Die Eröffnung des Balles wurde um 21:20 vom Grazer Philharmonischem Orchester eingeleitet, welches unter der Leitung von Chefdirigent Johannes Fritzsch musikalische Gustostücke zu Gehör brachte. Pünktlich um 21:30 begrüßte Alfons Haider als Conferencier die Gäste der Opernredoute, stellte ein Eröffnungspaar vor, welches schon Jahre zuvor den Ball eröffnet hatte, sowie ein zweites, welches vor allem durch die ungewöhnliche Haarfarbe des Herren auffiel. Sinngemäß unterstrich Haider, dass die Grazer Oper sehr wohl Tradition und Neues unter dem Hut bringt. Der junge Herr hätte beim Wiener Opernball so vermutlich nicht eröffnen können. Nach kurzer Vorstellung der Opernchefin Elisabeth Sobotka ("Endlich ein Operndirektor, der mich schätzt"), kündigte Haider die nun beginnende Eröffnung an.

Nach dem Einzug des Komitees folgten Darbietungen der Grazer Opernballettschule sowie des Ballettes der Grazer Oper, die beide großartig getanzt wurden. Besonders erwähnenswert ist hier die Interpretation von Strauß' "An der schönen blauen Donau".

Die Choreografie der Eröffnung mit den 64 Tanzpaaren wurde von Ingrid Dietrich und Helmut Nebel konzipiert und kann nur als absolut bezaubernd, kreativ und außergewöhnlich beschrieben werden. Eine wunderbare Mischung aus Figuren, welche das gesamte Parkett in Anspruch nahmen, Kreisen, Spiralen und vielen mehr. Wer diese Eröffnung nicht miterleben konnte, hat sicherlich etwas verpasst. Da die Figuren natürlich besonders gut von den Plätzen aus Rang oder Galerie aus wirkten konnten, ist die Choreografie selbstverständlich perfekt geeignet für die Grazer Oper. Und man muss als Wiener neidisch anerkennen, dass Choreografien dieser Komplexitität in Wien nicht zu finden sind. Während hier Herren und Damen des Eröffnungskomitees sich in Spiralen formten, die Männer und Frauen wie Perlenbänder aus verschiedenen Faben sich langsam trennten, um dann wieder zu reversieren und in absoluter Perfektion in die Ausgangsposition zurückzukommen. In Wien finden sich Figuren eher in Vierer- oder Sechserblöcken, manchmal auch auf ganze Reihen angewandt, aber diese Strukturen werden im Normalfall nicht auf das Komitee als Einheit übertragen. Eine Ausnahme hier sind vielleicht die mit Ballettfiguren bestückten Eröffnungen (Große Kreise) von Fred Mastaire, der für die Choreografie des Ärzteballes verantwortlich ist. Abgesehen von dieser besonderen Leistung muss man doch wieder leicht Kritik am Einzug geltend machen, der oftmals am Wenigsten geprobt wird und auch hier nicht perfekt gelang.

Nach den Worten "Alles Walzer" durch den Präsidenten der steirischen Tanzschulen Helmut Nebel stürmten die Gäste die Tanzfläche und gaben sie bis zum Morgengrauen nicht wieder frei. Abgesehen von der Mitternachtseinlage, welche eine beeindruckende Tanzchoreografie mit dem Titel "Dance Sinatra" war, war das Parkett bis zum Ende des Balles gut genutzt. Die Grazer sind offensichtlich leidenschaftliche Tänzer!

Die Mitternachtseinlage selbst bestand aus den Erfolgen des großen Entertainers Frank Sinatra, zum Leben erweckt durch den Sänger Erich Rath und das Ballettensemble der Oper Graz. Ganz der Wiener Balltradition folgend schloss sich an das Ballett eine Publikumsquadrille an, die zwar recht genau erklärt wurde (und vom Orchester gut gespielt), doch von den Gästen eher verzweifelt umgesetzt wurde. Ein Blick in die Reihen zeigte, dass nach den einzelnen Touren mehr als einmal Herr oder Dame auf der falschen Seite standen. Die Grazer störten sich nicht daran, denn wie allgemein bekannt macht die Quadrille mehr Spass, wenn man sie (noch) nicht kann.

Das Haus selbst wurde für den Ballabend in eine Märchenlandschaft verwandelt. Der Opernball in Wien gilt ja für viele als der Traum vieler Ballprinzen und -prinzessinen und genau dieses Gefühl hat auch die Opernredoute hervorragend umgesetzt. Rechts des Tanzparkettes im großen Ballsaal findet sich eine gläserne Brücke, welche im Alltag benutzt wird, um Requisiten aus den Werkstätten auf die Bühne zu schaffen, doch an diesem Abend wurde der ganze lange Gang als Gastronomiemeile genutzt. Prosecco, Sekt, Champagner, Wein oder einfach nur echte Sacher-Würstel: Hier fand sich alles. Leider verführte das so viele Gäste zum Verweilen, dass ein Durchkommen kaum möglich war. Das besserte sich erst nach 3 Uhr früh. Dahinter befand sich die Weinlounge, in der auch für Hungrigere größere Häppchen zur Verfügung standen. Nett umgesetzt als Bacchus' Reich mit bildhaften Weinfässern und glücklichen Bacchanten.

Direkt daneben fand sich Franco's Bar, in der Stimmgröße Franco Andolfo für einen Abend sein Bestes gab. Der Platz war eng, doch hier fand sich tänzerisch gesehen oft ein Gegenpol zum Großen Ballsaal. Hatte man von der Musik dort für den Augenblick genug, konnte man sicher sein, hier tänzerisch glücklich zu werden. Was, wie erwähnt, zu Platzmangel führte. Die Cocktailbar mag auch dazu beigetragen haben.

Direkt unterhalb verbarg sich die Discothek, die von Antenne Steiermark betrieben wurde und musikalisch gesehen eher enttäuschend war (zur Zeit des Besuches 80er Hits). Zuerst leer, füllte sich der Raum später doch so sehr, dass man ohne Drängen nicht wieder hinaus kam.
Damenspende waren Kosmetikartikel, die man eher auf kleineren Bällen erwartet hätte. Als besonders Zuckerl für die Herren gab es Lose für drei Kunstwerke, die der glückliche Gewinner mit nach Hause hätte nehmen können.

Die Grazer Opernredoute hat sich den Wiener Opernball als Vorbild genommen, glänzt aber durch eine eigene Umsetzung des Themas. Der Ball bietet all das, was man sich von ihm erwartet, vielleicht sogar noch mehr. Es bräuchte noch das Fünffache an Platz um all das zu erzählen, was am Ball noch Außergewöhnliches zu erleben war. Von Grazern haben wir gehört, dass vor allem das Ungezwungene des Balles geschätzt wird, und das ist war. Man kann ihn vielleicht mit einem Wiener Opernball nach ein Uhr Nacht vergleichen, wenn alle Promis interviewt und alle Kameras verschwunden sind. Die Veranstalter der Grazer Opernredoute haben nicht kopiert, sondern etwas Besonderes geschaffen, das in der Österreichischen Ballkultur Bestand haben sollte.
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